Rückblicke

Rückblick auf die Schickedanz Open 2008

 

Schickedanz Open 2008:


Emotionen zum 30. Jubiläum


 


Zum 30. Mal in Folge wurde in der ersten Juni-Woche auf der Tennisanlage des TV Fürth 1860 Weltklasse-Tennis geboten.

Knapp 10 000 Zuschauer fanden zwischen dem 03. und 08. Juni 2008 den Weg zum zweitgrößten Tennisevent in Bayern und trugen dazu bei, dass die Jubiläums-Ausgabe des ATP Challenger Turniers „Schickedanz Open“ – trotz der äußerst kurzfristigen Absagen einiger Spieler – ein großer Erfolg wurde.

 

Neben ansprechenden sportlichen Leistungen barg die Qualifikation eine Überraschung. Marc-Kevin Goellner, eigentlich nur als Betreuer von Ivo Mijic nach Fürth gereist, konnte dem Anblick der sich nur langsam füllenden Sign-In-Liste nicht widerstehen. Augenzwinkernd meinte die ehemalige Nummer 26 der Welt: „Jetzt habe ich mich in Hamburg bei den ‚Seniors’ so gut eingespielt, da probiere ich es doch gleich noch einmal bei den Jungen!“. Mit 6:7 und 5:7 scheiterte er in der 2. Runde äußerst knapp an Mark Joachim (GER). „Quali-Sieger“ wurden die vier Topgesetzten Alexandre Sidorenko (FRA), Nick van der Meer (NED), Alexander Flock (GER) und Dustin Brown (JAM).

 

Das Hauptfeld der Schickedanz Open wurde in diesem Jahr von den Top 100-Spielern Victor Hanescu (ROU) und Marcos Daniel (BRA) angeführt. Auf den Plätzen 3 bis 8 der Setzliste folgten Jesse Levine (USA), Pablo Andujar (ESP), Yuri Schukin (KAZ), Björn Phau (GER), Daniel Koellerer (AUT) und Joseph Sirianni (AUS).

Unter anderem durch die Absagen der ursprünglich gesetzten Spieler Florian Mayer (Schickedanz Open Sieger 2006), Nicolas Massu (Einzel- und Doppel-Olympiasieger 2004), Olivier Rochus und Oscar Hernandez erhöhte sich die Teilnehmerzahl deutscher Aktiver von drei auf acht. Zwar bedauerten die Veranstalter den Verlust der „Aushängeschilder“, gleichzeitig sahen sie in dieser Entwicklung auch eine Chance, dem selbst gewählten Anspruch, Nachwuchstalenten aus Deutschland mit der Ausrichtung eines ATP Challenger Turniers den Sprung in das internationale Spitzentennis zu erleichtern, gerecht zu werden.

Positiv fielen die Leistungen des Qualifikanten Alexander Flock und des Flabeg Jungprofi Challenger-Gewinners Jeremy Jahn auf. Auch Simon Greul, der aufgrund einer chronischen Sehnenverletzung in der vergangenen Saison in der Weltrangliste zurückgefallen war, konnte mit seiner variantenreichen, kontrolliert-druckvollen Spielweise überzeugen. Als bester deutscher Spieler erreichte er das Viertelfinale.

 

Der als „Alpen-Vulkan“, „Crazy Dani“ oder „Mini-McEnroe“ bekannte Österreicher Daniel Koellerer dominierte wie kaum ein anderer Spieler vor ihm das Geschehen auf und die Diskussionen neben den Fürther Plätzen. Mit lauten Anfeuerungsrufen und emotionalen (Wut-)Ausbrüchen spielte sich Koellerer in der Einzel- sowie in der Doppelkonkurrenz ohne Satzverlust in das Finale.

Mit seiner ausgezeichneten Beinarbeit, präzisen Grundschlägen und gefühlvollen Stopps brachte der hochmotivierte und fokussierte Österreicher seinen kolumbianischen Kontrahenten Santiago Giraldo am Endspieltag mehrfach an den Rand der Verzweiflung.

Als der Matchball verwandelt war, sank Koellerer an der Grundlinie zusammen, verharrte minutenlang am Boden und ließ seinen Tränen freien Lauf. Bei der Siegerehrung war der Österreicher, der den Sieg seiner schwer kranken Mutter widmete, noch so sehr von seinen Gefühlen überwältigt, dass er nur unter Schluchzen einige Worte an Sponsoren, Zuschauer und Veranstalter richten konnte.

 

Im Doppelfinale, das aufgrund eines Gewittersturms erst nach einer längeren Unterbrechung ausgetragen werden konnte, ließen die topgesetzten Alexander Peya (AUT)/Philipp Marx (GER) dem wieder gefassten Koellerer und seinem Partner Frank Moser (GER) keine Chance.

 

Der ungebrochene Zuschauerzuspruch kann als ein Zeichen dafür gesehen werden, dass die Veranstalter mit ihrer Entscheidung, das „Jubiläums-Challenger“ in punkto Rahmenprogramm nicht von den Veranstaltungen der Vorjahre abheben zu wollen, die richtige Wahl getroffen haben. Auch ohne „Tennistainment“  wird diese Sportart in Fürth von Spielern, Publikum, Sponsoren, Organisatoren und ehrenamtlichen Helfern gelebt.

 

Natalie Schwägerl

 
 

Rückblick auf die Schickedanz Open 2007

Vom 3. Juni bis 10. Juni 2007 veranstaltete die Tennisabteilung des TV Fürth 1860 zum 29. Mal ein ATP Challenger Turnier.

von links nach rechts: André Zietsman (Turnierdirektor), Turniersieger Peter Luczak (AUS), Peter Mißlbeck (Schickedanz Holding), Dr. Peter von Pierer, Fred Hübner (1. Vorstand), Dr. Thomas Jung (Oberbürgermeister der Stadt Fürth) und Finalist Fabio Fognini (ITA)
von links nach rechts: André Zietsman (Turnierdirektor), Turniersieger Peter Luczak (AUS), Peter Mißlbeck (Schickedanz Holding), Dr. Peter von Pierer, Fred Hübner (1. Vorstand), Dr. Thomas Jung (Oberbürgermeister der Stadt Fürth) und Finalist Fabio Fognini (ITA)

Die Veranstalter werteten die Schickedanz Open auch in diesem Jahr, nicht zuletzt aufgrund der Parallelen zu den vorausgegangenen Auflagen, auf die im Folgenden näher eingegangen wird, als vollen Erfolg.

In sportlicher Hinsicht war das Teilnehmerfeld des Main Draws mit dem des Vorjahres nahezu identisch. Mit Ausnahme der Qualifikanten waren alle Spieler zwischen Position 81 und 224 der Weltrangliste platziert, neun von ihnen gehörten in jüngster Vergangenheit den Top 100 des ATP Singles Ranking an. Angeführt wurde die Setzliste vom Dänen Kristian Pless, auf den weiteren Plätzen folgten Michael Berrer (GER), Peter Luczak (AUS), Fernando Vicente (ESP), Freserico Gil (POR), Bruno Echagaray (MEX), Lukas Lacko (SVK) und der Turniersieger des Jahres 2004, Albert Portas (ESP).

Von den neun deutschen Startern, die teilweise nur über Wild Cards in das Hauptfeld aufgenommen wurden, überzeugte lediglich der Stuttgarter Michael Berrer, der bis in das Halbfinale vordringen konnte, dort jedoch dem späteren Turniersieger Peter Luczak klar unterlegen war. „An manchen Tagen ist der Gegner einfach besser, so wie heute, das muss man dann einsehen“, lautete Berrers abschließendes Statement. Eine ansprechende Leistung zeigte auch Daniel Brands, der gegen den späteren Viertelfinalisten und slowakischen Davis Cup-Spieler Lukas Lacko im „Duell der Nachwuchstalente“ in der ersten Runde nach einer Spielzeit von zwei Stunden und 15 Minuten mit 7:6, 4:7 und 5:7 verlor.

Besonders hervorzuheben ist der Auftritt des Belgiers Steve Darcis, der sich im Einzel erfolgreich durch die Qualifikation spielte und im Hauptfeld sowohl im Einzel als auch im Doppel das Halbfinale erreichen konnte. Nach Siegen über „Enfant terrible“ Daniel Koellerer (AUT) sowie die gesetzten Spanier Fernando Vicente und Albert Portas musste Darcis in der Vorschlussrunde nach verlorenem ersten Satz gegen Fabio Fognini, dem es gelang, in beiden Konkurrenzen in das Finale vorzudringen, verletzungsbedingt aufgeben.

Durch Fogninis zweifache Finalteilnahme bedingt, wurde, wie im Vorjahr, als Torsten Popp das gleiche Kunststück gelungen war, am Finaltag zuerst die Einzelbegegnung ausgetragen. Nach einer Spielzeit von knapp zwei Stunden unterlag der erst 20-jährige Italiener dem dynamisch und kämpferisch agierenden Peter Luczak aus Australien mit 6:4, 2:6 und 2:6. Im Rahmen der Siegerehrung bedankte sich Luczak ausdrücklich beim Fürther Publikum für dessen Verbundenheit zum Tennissport: „Bei kaum einem Challenger auf der Welt spielt man vor so vollen Rängen, vielen Dank, das ist etwas Besonderes“. Den Titel widmete er seinem Coach, Shannon K. Nettle, der an diesem Tag seinen 29. Geburtstag feierte. Mit 60 Weltranglistenpunkten und einer Siegprämie von € 6 150,- machte sich der Australier auf, um in Polen und Kasachstan die nächsten Challenger zu bestreiten.

Das abschließende Doppelendspiel konnten Bruno Echagaray (MEX) und André Ghem (BRA) für sich entscheiden. Nach Satzgleichstand gewannen sie den Match-Tiebreak gegen Fabio Fognini und Frederico Gil (POR) nach einigen ebenso genialen wie kuriosen Ballwechseln mit 13:11.

Foto Siegerehrung Doppel 2007

Trotz zweier Finalteilnahmen war es Fognini, wie Torsten Popp 2006, nicht möglich, sich zumindest in einer der Siegerlisten der Schickedanz Open zu verewigen. „Two finals are like one win“, versuchte Turnierdirektor André Zietsman den etwas enttäuschten Italiener bei der Siegerehrung zu trösten.

Neben der sportlichen Parallele weisen die Schickedanz Open 2007 weitere Gemeinsamkeiten zu den Vorjahren auf. Zu der 29. Auflage des Traditionsturniers strömten, trotz des etwas schwächeren Abschneidens der deutschen Teilnehmer, wieder weit über 10 000 Zuschauer nach Dambach, um Spitzentennis hautnah zu erleben. Und erneut wurde das Organisationsteam um Fred Hübner (1. Vorstand der Tennisabteilung) und André Zietsman von allen Seiten gelobt.

An dieser Stelle möchten sich die Verantwortlichen noch einmal bei den Sponsoren, den Spielern und Coaches sowie den Offiziellen bedanken, ohne die die Ausrichtung eines solchen Events nicht möglich wäre. Den Zuschauern, die teilweise seit Jahrzehnten nach Fürth kommen und die dazu beitragen, dass sich die Veranstaltung über die Landesgrenzen hinaus, den Ruf eines besonders familiären Turniers erworben hat, sei ebenfalls gedankt.

Ein besonderes Dankeschön geht an die über 200 ehrenamtlichen Helfer, die der Tennisabteilung in diesem Jahr für zwei Großevents zur Seite standen und dadurch einen Großteil ihrer Freizeit für den weißen Sport „geopfert“ haben.

Mit dem Idealismus und der Einsatzfreude aller Beteiligten wird die 30. Auflage der Schickedanz Open im nächsten Jahr sicherlich wieder zu einem besonderen Highlight der bayerischen und internationalen Turnierszene werden.